Die Gruppe vor dem Frauenmuseum in Hittisau

 

Erste Exkursion der BAUSTELLE SONTHOFEN – ein Reisebericht:

Im Rahmen des Forschungsprojektes Baukultur konkret zu „Baukultur in ländlichen Räumen“ unternehmen wir gemeinsam mit Bürgermeister Christian Wilhelm, Teilen des Stadtrates, interessierten Bürgerinnen und Bürgern sowie Mitgliedern des Forschungsteams von LandLuft und der BAUSTELLE SONTHOFEN eine Exkursion nach Biberach und Vorarlberg. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem Wohnbau, gemäß dem städtebaulichen Entwicklungsschwerpunkt von Sonthofen „Bildung und Wohnen“.

In Biberach werden wir von der Amtsleiterin des Stadtplanungsamtes, Carola Christ erwartet, die uns einen Einblick in die Verfahrensabläufe des örtlichen Baugeschehens gibt. Später führt sie uns durch ein neues Wohngebiet am Stadtrand und erzählt über dessen Entstehungsgeschichte.

Zur Erreichung gestalterischer Qualitätsstandards setzt die Stadt Biberach ganz selbstverständlich immer wieder auf Wettbewerbe in unterschiedlichen Formaten (davon sind wir in Sonthofen leider noch ein Stück weit entfernt!).

Insgesamt scheint die Baukultur am Ort über gut entwickelte Standards zu verfügen, die sowohl in der Altstadt und bei deren Weiterentwicklung als auch in den Neubaugebieten angewandt werden.

 

Wohnhausreihe in Biberach

 

Wohnhaus in Biberach

 

Mehrfamilienhaus in Biberach

 

Vortraug über das Neubaugebiet in Biberach

Bürgermeister Christian Wilhelm in Biberach

 

Tag Eins unserer Tour lassen wir beim gemeinsamen Abendessen und später dann an der Hotelbar ausklingen…

Am nächsten Tag treffen wir uns mit Verena Konrad vom Vorarlberger Architekturinstitut (VAI), Sigi Ramoser von der Design- und Kommunikationsagentur Sägenvier aus Dornbirn und mit Erwin Rinderer von der Gemeinde Lauterach im Rathaus von Lauterach. Die SonthoferInnen werden in kleine Workshop-Runden aufgeteilt und sprechen mit den drei Experten intensiv über verschiedene Themen.

Erwin Rinderer erzählt Bürgermeister Wilhelm und den mitgereisten Stadtratsmitglieder von seinen Erfahrungen mit dem Gestaltungsbeirat in Lauterach, einem der ersten in ganz Vorarlberg. Dabei wird u.a. deutlich, wie vielseitig ein Gestaltungsbeirat einsetzbar ist und dass er – nach einer gewissen Eingewöhnungszeit – aus dem örtlichen Baugeschehen nicht mehr wegzudenken ist.

Von Sigi Ramoser erfahren die SonthoferInnen mehr über den engen Zusammenhang von Baukultur, Kommunikation und „Bürgerbegeisterung“. Er erzählt eindrucksvoll von einem Auftrag in der Gemeinde Lustenau, bei dem er und sein Team eine Bürgerwerkstatt zur Dorfzentrumsentwicklung unterstützten, indem sie die Beiträge der Bürger direkt zeichnerisch auf großen Leinwänden im Saal festhielten. Ein anderes Beispiel für sein Wirken war die Mitarbeit an einem Jugendplatz in Lustenau, für den die beteiligten Jugendlichen ebenfalls durch den Einsatz ungewöhnlicher Kommunikationsformate ein Zugang zur Mitwirkung an der Ortsentwicklung erhielten.

Die Mitglieder der BAUSTELLE SONTHOFEN informieren sich bei Verena Konrad über das Wirken des VAI und erhalten wertvolle Tipps, wie kleinere Baukulturinitiativen ihre Anliegen im Ort besser vertreten können. Wir werden darin bestärkt, die Vernetzung von Akteuren der Stadtentwicklung in Sonthofen weiter voranzutreiben und uns intensiv mit unserem Auftritt nach Außen zu beschäftigen.

 

Vortrag in Lauterach

 

Vortrag in Lauterach

 

Teil der Gruppe in Lauterach

 

Nach diesem informationsreichen Treffen und einem anschließenden Mittagessen besuchen wir ein außergewöhnliches Bauprojekt in Bregenz. Der Architekt Roland Gnaiger führt uns durch das Ensemble von vier Wohnhäusern in der Metzgerbildstrasse, deren einzelne Wohneinheiten beliebig, auch über mehrere Stockwerke, miteinander verbunden werden können – je nach aktueller Lebenssituation. Dadurch sind Wohnungen für Alleinstehende, aber auch für Familien mit unterschiedlich vielen Angehörigen möglich. Durch eine geschickte städtebauliche Anordnung der Einzelgebäude entsteht, neben kleinen Privatgärten, auch ein großzügiger Innenhof, zur gemeinschaftlichen Nutzung der Bewohner. Hier wird deutlich, welche möglichen Antworten die Architektur auf die sich verändernden gesellschaftlichen Ansprüche in den Orten hat und wie sehr sich die Auseinandersetzung mit ungewöhnlichen Lösungen lohnen kann!

 

Vortrag zu flexibel teilbaren Mehrfamilienhäusern in Bregenz

 

flexibel teilbare Mehrfamilienhäuser in Bregenz

 

Ein weiteres Highlight unserer Exkursion ist der Besuch der Gemeinde Zwischenwasser. Josef Mathis ist nicht nur Teil des Forschungsteams von Baukultur konkret und in dieser Funktion ein wichtiger Berater der BAUSTELLE SONTHOFEN, sondern war auch über 30 Jahre lang Bürgermeister dieser Gemeinde in der Nähe von Feldkirch.

Wir können kaum glauben, wie viele innovative Bauprojekte in einem solch kleinen Ort realisiert wurden (sowas muss doch ansatzweise auch in Sonthofen möglich sein)! Von der Bodenpolitik, über die Erichtung von Seniorenwohnungen („Mitdafinerhus“), die Aktivierung des Dorfladens, den Schul- und Kindergartenbau, die Einrichtung eines Gestaltungsbeirates, die Bürgerbeteiligung, bis hin zum örtlichen Energiekonzept – Baukultur ist in Zwischenwasser überall spür- und erlebbar. Letztlich ist dies dem Ort natürlich auch in seiner Gestaltung anzumerken und man sieht außergewöhnlich viele zeitgemäß inzenierte Gebäude, die mit großer Selbstverständlichkeit in die tolle Landschaft (die dem Oberallgäu ja nicht unähnlich ist) gesetzt wurden. Dass Zwischenwasser mit zahlreichen Preisen für Baukultur und innovative Ortsentwicklung bedacht wurde, ist für uns – nach allem was wir sehen konnten – keine Überraschung mehr!

 

Mitdafinerhus in Zwischenwasser

 

Mehrfamilienhäuser in Zwischenwasser

 

Mehrfamilienhäuser in Zwischenwasser

 

Die nächste Station unseres Ausflugs ist Hittisau unweit der Grenze zum Allgäu. Auch dieses Dorf überrascht mit vielen kleineren und größeren Projekten, die in der Summe von einer aktiv gelebten Baukultur zeugen und einen angenehmen, zukunftsweisenden Ortscharakter verströmen.

Das Bauen mit Holz als ein zentrales Thema fällt uns hier sofort ins Auge. So trifft es sich gut, dass wir von Hermann Nenning, einem ansässigen Zimmerer durch den Ort geführt werden. Als Beispiel eines innovativen Nutzungskonzeptes zeigt er uns das moderne Frauenmuseum von Hittisau, das gleichzeitig als Feuerwehrhaus dient. Sorgfältige städtebauliche Planung verhinderte hier vorstellbare Nutzungskonflikte! Gegenüber vom Hotel Krone, einem der schönsten kleinen Hotels der Nachbarregion, zeigt er uns dann sein eigenes Wohnhaus und erläutert die Vorteile von heimischem Holz als Baumaterial. Auch dieses Gebäude beeindruckt durch seine Gestaltung, die weder seine Entstehungszeit, noch den Entstehungsort leugnet – zukunftsweisendes Bauen mitten im ländlichen Raum. Zuletzt besuchen wir ein Seniorenwohnheim am Rand des Ortes, ebenfalls ein beeindruckender, moderner Holzbau. Eine zufällig anwesende Bewohnerin erzählt uns begeistert vom Leben im Haus und wünscht uns eine ähnliche Einrichtung für Sonthofen – „zum Wohlfühlen“.

 

Frauenmuseum und Feuerwehrhaus in Hittisau

 

Eine Dame erklärt ihren eindruck vom Seniorenheim

 

Die unzähligen Eindrücke der beiden Tage lässt unsere Reisgruppe beim Abendessen im Nachbarort Krumbach – übrigens ebenfalls ein toller, inspirierender Ort der Baukultur – Revue passieren. Abschließend werden die Eindrücke aller Teilnehmer noch einmal schriftlich festgehalten – die Stimmung ist gut, jedem fällt es leicht, positive Gedanken zu formulieren! Die BAUSTELLE SONTHOFEN  ist sehr glücklich über ihre erste Exkursion und hofft auf diverse Impulse für das Baugeschehen daheim. Vielen Dank an alle, die diese zwei Tage möglich gemacht haben – Carola Christ, Verena Konrad, Erwin Rinderer, Sigi Ramoser, Roland Gnaiger und natürlich das Team von LandLuft: Judith Leitner, Thomas Moser, Josef Mathis und Roland Gruber!

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