Vortrag zur Ordensburg im Haus Oberallgäu

 

Eine weitere Veranstaltung, die die BAUSTELLE SONTHOFEN im Rahmen des Forschungsprojektes Baukultur konkret organisiert, ist der Vortrag „Nachwuchs für den Führerstaat – Ausbildung an NS-Ordensburgen am Beispiel Sonthofen im Allgäu“ der Wiener Kulturwissenschaftlerin Dr. Barbara Feller.

Wie der große Publikumsandrang zeigt, ist das Interesse für das Thema groß – noch immer hört man viel zu wenig in Sonthofen über die Geschichte seines mit Abstand wichtigsten Gebäudes! Durch ihre nicht-öffentliche Nutzung scheint die „Burg“, trotz ihrer imposanten Erscheinung, immer wieder aus dem Bewusstsein der Sonthofer zu verschwinden, obwohl sie die Entwicklung unserer Stadt bis in die heutige Zeit maßgeblich geprägt hat. Die schicksalhafte Entscheidung der Nazis, fast gleichzeitig drei militärische Großanlagen um das damalige Dorf Sonthofen zu errichten, war der Grundstein für einige problematische städtebauliche Entwicklungen, die Im Ort heute immer noch spürbar sind.

Dr. Feller beleuchtet in ihrem Vortrag die Hintergründe der Entstehung der Ordensburgen und das Alltagsleben der Schüler, mit besonderem Fokus auf Sonthofen. „Alles Schwache muss weggehämmert werden“ – so lautete das von Hitler formulierte „pädagogische Konzept“ für die Ordensburgen, in denen künftige Führungspersönlichkeiten für höhere Aufgaben im NS-Staat erzogen werden sollten. Beim Vortrag anwesende ehemalige Schüler berichten, dass sie durchaus gerne dort zur Schule gingen, auch weil sie sich diverser Privilegien (wie z.B. einem eigenen Fahrrad) durchaus bewusst waren. Interessant war auch Fr. Dr. Fellers Hinweis darauf, dass es kaum Kontakt zwischen den Schülern und der ansässigen Bevölkerung Sonthofens gegeben hat – die Ordensburg war schon damals ein Fremdkörper im Ort.

Insgesamt wird beim Vortrag klar, dass viele Details über die damalige Geschichte nicht sehr verbreitet sind und es einen enormen Aufholbedarf Sonthofens in dieser Sache gibt. Bei der anschließenden kleinen Diskussion kommt der Vorschlag auf, in der „Burg“ ein öffentlich zugängliches Dokumentationszentrum einzurichten, worauf das Publikum mit Applaus reagiert. Die bisherigen Pläne der Bundeswehr sehen lediglich einen Raum für eine militärgeschichtliche Lehrsammlung vor, die nicht frei zugänglich sein wird. Es bleibt abzuwarten, ob jetzt Bewegung in diese Diskussion kommt – ein Dokumentationsraum in unmittelbarem räumlichen Zusammenhang mit der General-Oberst-Beck-Kaserne, die ja weiterhin militärisch genutzt werden wird, wäre jedenfalls wünschenswert.

 

Vortrag zur Ordensburg im Haus Oberallgäu

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